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„Schwere erste Schritte“

Max und Marcus kamen 1992 auf die Welt. Schon nach kurzer Zeit fiel uns das Laufen, durch unsere angeborene Krankheit, schwer und wir mussten operiert werden.

„Ihr werdet nie mehr laufen können“

Die vielen aufwändigen Operationen forderten ihren Tribut und so verloren wir im Alter von 9 Jahren unsere Gehfähigkeit.

Wir waren frustriert und nahmen deutlich zu. 

„Du bestimmst dein Schicksal selbst“

Der Tennissport, Freunde und Familie gaben uns die Motivation zurück. Trotz oder gerade wegen unserer Behinderung wollen wir ein Zeichen setzen.

- Paralympische Spiele 2020 -

About Us

Wann habt ihr festgestellt, dass etwas nicht stimmt?

„Kurz nach unserer Geburt erkannten die Ärzte, dass mit unseren Armen und Beinen etwas nicht stimmte. Trotzdem hatten wir bis zum 5. Lebensjahr eine völlig normale Kindheit. Wir konnten genau wie alle anderen Kinder laufen, auf Bäume klettern und spielen. Doch das änderte sich, als wir in den Kindergarten kamen. Mit der Zeit zeigte sich, dass unsere Beine nicht normal wuchsen und wir waren viel kleiner als die anderen Kinder. Wir entwickelten so starke Schmerzen in unseren Beinen, dass wir nicht mehr laufen oder schlafen konnten. Dann begann der OP-Marathon.“

„Die Ärzte diagnostizierten eine seltene Krankheit namens multiple epiphysäre Dysplasie, von der in Deutschland nur 13 Personen betroffen sind, sodass nicht viel darüber bekannt ist. Es handelt sich sozusagen um eine Störung des Knorpel- und Knochenwachstums, das hauptsächlich die Enden der Knochen in Armen und Beinen betrifft. Das schmerzt nicht nur, sondern verursacht auch funktionale Probleme, die dazu führten, dass wir nicht mehr laufen konnten und an den Rollstuhl gefesselt waren.“

Wie habt ihr diesen OP-Marathon erlebt?

„Wir wurden schon oft von Freunden nach den Operationen gefragt, doch ehrlich gesagt können wir uns nicht mehr gut an diese Zeit erinnern. Es ist fast so, als hätte unser Gehirn alle damit verbundenen Szenen gelöscht und nur einige einzelne Bilder zurückgelassen. Fünf Jahre lang bestand unser Leben aus einem Kreislauf von OPs, Regeneration und noch mehr OPs. Was das so schwierig machte, war, dass man jedes Mal dachte, „okay, das wars, dieses Mal kannst du danach wieder laufen“, doch das stimmte nie. Es ergaben sich immer wieder neue Probleme und neue Gründe für noch mehr Eingriffe. Und jedes Mal wurden wir ein bisschen schwächer. Doch wir waren immer zu zweit, was uns noch stärker zusammenschweißte. Wir fühlten zur selben Zeit dieselben Schmerzen. Wir standen alle schwierigen Zeiten gemeinsam durch.“

Wie war es für euch, mit einer Behinderung aufzuwachsen?

„Als kleines Kind ist einem gar nicht bewusst, dass etwas nicht stimmt oder dass man anders ist als die anderen Kinder. Wir hatten eben Schmerzen und konnten nicht so gut schlafen. Viel Zeit in Krankenhäusern zu verbringen wurde für uns zur Normalität und wir gewöhnten uns daran, dort regelmäßig hinzugehen, ohne die Gründe zu kennen oder zu wissen, was als nächstes passieren würde. Immer wieder sagte man uns, dass nach der nächsten OP alles besser sein würde, doch das stimmte nicht.“

Marcus: „Nach den Operationen in die Schule zurückzukehren, war nicht immer einfach. Alle schauten mich an und fragten sich, wer dieser Typ ist. Vielleicht sahen sie nicht mehr mich, sondern nur den Rollstuhl. Und auch wenn es manchmal schön war, wenn andere mir halfen, fühlte ich mich dadurch anders als der Rest. Trotzdem sehe ich den Rollstuhl nicht als echte Behinderung. Ich selbst bestimme über mein Leben, nicht der Rollstuhl.“

Max: „Wegen all der Operationen konnte ich lange Zeit nicht trainieren und wurde ziemlich dick. Ich war nicht nur neu an der Schule, sondern auch noch in einem Rollstuhl. Das machte mich extrem unsicher und ich wurde gemobbt. Die Schulzeit konnte ich nicht genießen. Ich ging in den Unterricht, aber ich hatte absolut keinen Spaß daran. Später wechselte ich die Schule, um nochmal ganz neu anzufangen. Ich begann auch zu trainieren und Tennis zu spielen. Dadurch änderte sich mein gesamtes Leben.“

Wie seid ihr auf Tennis gekommen?

Marcus: „Wir fingen mit 12 an Tennis zu spielen. Den Sport lernten wir durch unseren großen Bruder und unsere Mutter kennen und wir waren sofort begeistert. Es ist ein extrem schneller Sport, der viel Technik, Kraft und Koordination erfordert. Zu lernen, wie man im Rollstuhl Tennis spielt, war eine echte Herausforderung, doch es war auch ein Ziel, auf das wir hinarbeiten konnten. Am Anfang war es schwierig, mit dem Rollstuhl schnell genug am Ball zu sein und dabei nicht zu vergessen, dass man noch einen Schläger in der rechten Hand hielt. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wo der Ball aufprallen wird. Am meisten liebe ich am Tennis, dass man richtig beobachten kann, wie man besser wird. Je härter man trainiert, desto mehr wird man belohnt. Dadurch bekamen wir wieder das Gefühl, unser Leben unter Kontrolle zu haben.“

Was gefällt dir so an diesem Sport?

Max: „Tennis ist nicht nur ein physischer Sport, man braucht auch einen starken Geist und muss wissen, wie man seinen Gegner schlagen kann. Marcus ist der ideale Trainingspartner für mich, da wir uns immer aneinander messen. Doch wir unterstützen uns auch gegenseitig, um immer besser zu werden, und kämpfen für dieselben Ziele. Das war schon unser ganzes Leben lang so. Indem wir uns in schwierigen Situationen gegenseitig motivierten, konnten wir so stark werden, wie wir heute sind. Es ist ein kontinuierliches Geben und Nehmen, unabhängig von der Situation.“